TitelAutor
Frou Grächtigkeit het der Chopf verloreHubler Hans-Rudolf

Seitenzahl
54

AkteSzenenBuehnenbildAnz
301

Inhalt
Was kann so Schreckliches passieren, dass selbst die Frau Gerechtigkeit darob den Kopf verliert? Es passiert in dem hei-teren Stücklein gar nichts Schreckliches — und es ist auch nur das steinerne Ab-bild der Frau Gerechtigkeit, eine Brun-nenfigur, die dabei buchstäblich den Kopf verliert. Verliert ist zwar ein etwas poeti-scher Ausdruck, denn der Kopf wird der armen Dame abgeschlagen. Er wird ihr aber nicht von dem Manne abgeschlagen, auf den sich aller Verdacht konzentriert: vom Gerichtspräsidenten. Er hat freilich mit dieser Tat gedroht, ausgeführt hat sie aber ein Freund von ihm, der ihn ganz ein-fach vor einer unüberlegten Handlung be-wahren wollte. Freilich misslang sein Plan. Er hatte im Sinn, der Frau Gerech-tigkeit eine Schutzmaske aufzusetzen, da-mit sie gegen Steinwürfe gesichert sei. Bei dieser Manipulation brach der Kopf ab — und er brachte ihn in seinem Schöpf-lein in Sicherheit. Die ganze Sache ver-wickelte sich noch etwas, weil er erst das Töchterlein des Gerichtspräsidenten zu Hilfe rufen wollte. Auf sein Rufen er- schien aber dessen Mutter und er wollte sich im Gartenhäuschen verstecken, riss aber vor Schreck aus, da dieser Ort bereits besetzt war. Ein junger Angestell-ter, der erfolgreichere Nebenbuhler um das Gerichtspräsidententöchterlein, hatte ihn von dort aus beobachtet und be-obachtete ihn nun weiter, sah, wie die Frau Gerechtigkeit den Kopf verlor — und wo dieser hingebracht wurde. Er wollte ihn sicherstellen. Er sah das Gartenhäus-chen des Präsidenten als den besten Ort an; denn dorthin würde der Kopfräuber nicht zurückkehren. Dass der junge Mann den Kopf dorthin trug, verwirrte die Un-tersuchung noch mehr. Jetzt aber kann er alles aufklären und so auch den Wi-derstand des Gerichtspräsidenten bre-chen; die Verlobung mit dessen Töchter-chen rückt in die Nähe — und die Ge-rechtigkeit wird ihren Kopf wieder be-kommen. Ein harmloses, lustiges Spiel mit witzigen und träfen Bemerkungen über heutige Zu- und Missstände.




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