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Der dritte Weltkrieg wird nichtBührer Jakob


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Inhalt
Hier wird der Versuch gewagt, mit einer wirtschaftlichen Theorie die Notwendig-keit eines dritten Weltkrieges ad absur-dum zu führen. Zwei Wirtschaftssysteme befehden sich: «Hie Kommunismus», ruft Chruschtschew, der eine Führer, «Hie freie Konkurrenz» Eisenhower, der an-dere. Das führt zum Krieg. Doch Hermes und ein Mister X bestimmen, dass sie ihn persönlich austragen müssen. Davor ist den beiden etwas mulmig zu Mute, und sie fangen an, die Wirtschaftsthesen des Hermes und des Mister X genauer zu überlegen, stimmen ihnen schliesslich zu — und damit ist der dritte Weltkrieg bis auf weiteres verschoben. Auf der materialistischen Geschichtsauf-fassung von Karl Marx fussend, sie aber weiterbauend, hat Jakob Bührer dieses Drama geschrieben, das man ebenso gut eine Farce nennen könnte. Ist seine Theorie die geniale Lösung? Kann die Menschheit sich vom Eigentum befreien? Kann sie ihre Wirtschaftsform so um-krempeln, dass Geld nur noch Vertrauen in die Arbeitskraft aller bedeutet? Das sind Fragen mit denen jeder für sich zu Rande kommen muss. Uns interessiert hier nur: Ist die dramatische Idee über-zeugend gestaltet? Wenn Ungläubige, wenn sogar Gegner ihr zustimmen, ist das der Fall; ich glaube kaum, dass dies in er-heblichem Mass so sein wird. Wohl wird die Theorie mit grossem Geschick vorge-tragen — bleibt aber Theorie. Es ist Büh-rer nicht gelungen, das Lehrhafte zu ver-meiden — und er wollte es auch gar nicht. Man kann sich darum streiten, ob es dann nicht besser gewesen wäre, einen Essay zu verfassen. Er liebt aber das Theaterl Gibt er dem Theater etwas unerwartet Grosses, wenn er Stücke schreibt, die, weil sie eben Theorie sind, notwendig an Blutleere leiden? Kann man Verse so ge-stalten, dass sie mitreissen, dass ihr Wohlklang bezaubert, ihre Formulierung an Dinge rührt, die nur der ganze Mensch, nicht bloss der kalte Intellekt, zu fassen vermag? Es ist wahrscheinlich ein vergeb-mag? Es ist wahrscheinlich ein unmög-liches Beginnen, doch ist es herzerfri-schend, und ich liebe es — wie viele an-dere — dass es immer noch Menschen gibt, die ihre Kräfte an Unmöglichem versuchen.




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