TitelUntertitelAutor
GalgenbühlBerndeutsches SpielBinder Beat

Seitenzahl
42

AkteSzenenBuehnenbildAnz
7 Bilder06

Inhalt
Im «Galgenbühl» wird einer, der ein schweres Verbrechen begangen hat, für das aber ein anderer büssen musste, zum Bekenntnis seiner Tat getrieben. Grund: die Folgen der Tat halten ihn auf dem Pfad der Sünde, zwingen ihn auf diesem immer weiter, dorthin, wo er keinen Aus-weg mehr sieht, einzig einen neuen An-fang, der im Abtragen der alten Schuld liegt. — Wie er von Innern und äussern Gewalten dahin geführt wird, ist heute ebenso gültig wie im sechzehnten Jahr-hundert. Deshalb ist mit «Galgenbühl» endlich ein historisches Schauspiel ent-standen, das unserer Zeit ebenso nahe liegt, wie der Zeit, in der die Handlung abläuft. Es verbindet die Romantik ver-gangener Tage mit dem Streben nach Er-kenntnis heutiger Zusammenhänge menschlicher Schicksale, die im 16. Jahr-hundert genau so galten, wie sie heute noch gelten. Die Form, die der Verfasser für seine Aussage wählte, ist deshalb nicht naturalistisch, nicht kleinlichem Ta-geskram verhaftet, hat etwas balladeskes in sich und bringt so in Volkstheater-Auf-führungen einen ganz neuen Ton zum Klingen. Der Bauer Schwepf hat einen Mann er-stochen und das Mordmesser in die Stube eines Knechtleins geworfen; dieses wird nun der Tat verdächtigt, verurteilt, ge-hängt. Schwepf ist zwar bei der Hinrich-tung nicht dabei, dennoch verfolgen ihn später die Augen des Pfarrers, dem der Delinquent beichtete. Er nimmt Handgeld, lässt seine Frau den Hof allein bewirt-schaften und zieht nach Italien. Er kann aber den Augen des Pfarrers nicht ent-rinnen und vertraut sein Geheimnis im Trunke seinem Kampfgenossen Schwan-der. Dieser stammt aus dem gleichen Dorf und ist Schwepfs Schwester in hoff-nungsloser Liebe verfallen. Er weiss, dass ihm da der junge Erhart im Wege steht und sinnt darauf, ihn wegzuräumen. Mit dem Geständnis hat er in Schwepf ein gefügiges Werkzeug, er zwingt ihn, Erhart zu morden. Mit dem Amulett, das dieser von Schwepfs Schwester erhalten hat, stellt er sich später bei ihr ein und weiss ihr vorzugaukeln, der letzte Wunsch des «Gefallenen» habe sie mit ihm ver-mählt. Wohl kommt es zur Hochzeit, doch gerade an diesem Tage taucht Er-hart unerwartet wieder im Dorfe auf. Schwander überhäuft Schwepf mit Vor-würfen und so erfährt dessen Frau, wie Erhart sterben sollte. Resolut nimmt sie die Geschicke in die Hand. Schwander soll von der Erpressung nicht profitieren, soll wieder in fremde Dienste gehen. Da verrät Schwander Schwepfs Mord. Sie bleibt in ihrer Gesinnung trotzdem fest und Schwander verschwindet auf immer. Ihren Mann aber, der schon darauf sann, sein Opfer Erhart und seine eigene Schwester aus dem Wege zu räumen, weiss sie zu bestimmen, seine Tat zu be-kennen und sie zu sühnen. Gerade weil sie sich lieben, muss es geschehen, denn ungesühnt wuchert das Böse weiter und hindert ein freies Zusammenleben. Ein Spiel, das mit seinem eigenartigen Reiz vielen willkommen sein dürfte. Ein begabter Regisseur und gute Darsteller können es zu einem ergreifenden Erleb-nis gestalten, das — trotz aller




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