TitelUntertitelAutor
Dr Lobisei TüfelEin Spiel mit Musik und Gesang in fünf BildernSaner B./ Krapf Anton

ErscheinungsjahrSeitenzahl
200139

AkteSzenenBuehnenbildAnz
500

Inhalt
Die Sage vom Lobisei Frei nach dem Mümliswiler Schriftsteller J.B. Scherr, der die Lobisei-Sage erstmals 1858 für den „Solothurner Kalender“ aufschrieb. Wenn der Wanderer auf der Strasse von Balsthal nach Mümliswil die Ruinen des alten Schlosses Falkenstein, des einstigen Stammsitzes der Freiherren gleichen Namens, hinter sich hat, so gelangt er nach wenigen Schritten in einen romantischen Bergkessel, durch den sich die Strasse in mannigfachen Krümmungen hinwindet. An heiteren Sommerabenden, wenn die scheinende Sonne die Kalkfelsen vergoldet, gibt es keinen angenehmeren Spaziergang als diesen Weg. Aber schaurig ist’s, in nächtlicher Stunde das Lobisei zu durchwandern, wenn aus dem nahen Forst des Uhus Klageruf ertönt, wenn die krüppelnden Kiefern an den Felswänden geisterhafte Schatten werfen und wenn der Wind sonderbare Töne hervorbringt, bald wie die Signalpfeife einer Diebesbande, bald wie der Ruf eines Sterbenden oder wie das Hohngelächter der Hölle. Mehr schon als ein nächtlicher Wanderer hat, von unwillkürlichem Grauen erfasst, seinen Schritt verlängert, um schnell aus diesem unheimlichen Treiben herauszukommen. — Früher trieben hier überirdische Wesen ihren nächtlichen Spuk, aber noch heute lebt die Sage vom „Lobisei-Tüfel“. Der Abhang auf der Sonnenseite, zwischen den Felsen und dem Bache, gehörte früher zu einem grossen Sennhofe. Hier wirtschaftete in behaglichem Wohlstande der „Lobisei-Senn“. Sein Viehbestand nahm zu, wie keiner rings herum, und alljährlich boten schwerbeladene Obstbäume köstliche Früchte. Allein — statt zufrieden zu sein mit dem Segen des Herrn, öffnete der Lobiseier sein Herz dem Teufel der Habsucht und jagte in unersättlicher Gier nach zeitlichem Gut. Eines Morgens war der Senn allein zu Hause, mit der Bereitung des Käses beschäftigt. Seine Hausgenossen arbeiteten auf dem Feld. Da erschien ein fremder Metzger auf der Schwelle der Käsküche und fragte freundlich grüssend nach fettem Schlachtvieh. Bereitwillig führte ihn der Senn in die gefüllten Ställe, um etwas Geeignetes herauszufinden. Der Metzger trug eine schwere Geldkatze um den Leib, die schon bald die lüsternen Blicke des Sennen auf sich zog.




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