TitelAutor
Der öffentliche AnklägerHochwälder Fritz


AkteSzenenBuehnenbildAnz
301

Inhalt
Der öffentliche Ankläger, Fouquier-Tinville, hält sich zur Zeit der französischen Revolution für den einzigen Politiker, dessen Kopf sicher auf dem Hals sitzt. Er lässt die andern regieren, trägt von ihnen aber aktenmässige Belege zusammen, die sie der Guillotine ausliefern. So muss jeder vor ihm zittern und braucht ihn doch, falls er sich eines Gegners entledigen will. Fouquiers System ist die letzte Konsequenz der Terrorherrschaft. Er kennt sich allein in ihm aus und fühlt sich deshalb sicher. Dennoch gelingt es einer Frau, ihn und sein System zu überlisten. Sie verführt ihn, die Anklagerede gegen einen hohen Funktionär aufzusetzen, dessen Namen sie selbst in das Urteil eintragen will. Er darf ihn nicht kennen. Er lässt sich darauf ein, weil er sicher ist, dass es sich um niemand anderen als den Mann der Gesuchstellerin handeln könne. Aus seinen Akten geht hervor, dass dieser, als er noch ihr Geliebter war, ihr Todesurteil unterschrieben hat, um sich selber zu retten. So zwingt Fouquier-Tinville Richter und Zeugen, ihm beizustehen im geheimen, abgekürzten Verfahren, das jede Aeusserung des Angeschul- digten brutal unterdrückt. Ohne zu ahnen, dass sein eigener Name auf dem Urteil steht, hält er die Anklagerede, und die durch ihn zu dieser makabren Zeremonie gezwungenen Richter und Zeugen liefern ihn der Guillotine aus; die von ihm selbst gestellten Henkersknechte hindern ihn am Reden. Mit unheimlicher Präzision ist hier skizziert, wie die letzte Vollendung einer Schreckensherrschaft zu ihrer Selbstvernichtung führen muss. Für die Politiker, die diesen Streich ausklügelten, bleibt nämlich die furchtbare Frage: «Was soll nun werden, nachdem wir uns des Werkzeugs entledigt haben, das uns gegen Widersacher schützte?» Die Handlung ist äusserst wirksam aufgebaut und zeigt in unerhörter Eindringlichkeit die unabdingbare Selbstzerstörung einer politischen Terrorherrschaft. Wenn das Stück irgendwo am Volkstheater zur Aufführung in Betracht gezogen wird, sollte man sich gründlich überlegen, wie weit die darstellerischen Kräfte ausreichen, um diese hintergründig gezeichneten Charaktere glaubhaft darzustellen.




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