TitelAutor
Ds VermächtnisZürcher-Staub/Kurmann W.

Seitenzahl
53

AkteSzenenBuehnenbildAnz
303

Inhalt
Dieses Stück hat die Eigenart, dass es fast bis zum Schluss offen lässt, warum sein Titel «Ds Vermächtnis» lautet. Das mag in gewisser Beziehung ein Nachteil sein, anderseits ist es aber auch ein Spannungsmoment, also durchaus drama-tisch. Es scheint zuerst nur um Liebschaf-ten zu gehen, denen die jeweiligen Väter nicht gewogen sind und ihre Töchter mit besser situierten Männern verbinden möchten. Nur Barbara Diebold will abso-lut heiraten und setzt es durch. Ihr Hauptgrund ist zwar: sie möchte absolut von zu Hause fort. Sie heiratet ihren Karl Wagner, Im zweiten Akt, der drei Jahre später spielt, erfährt der Zuschauer, dass sie in der Ehe nicht gefunden hat, was sie suchte. Auch ein Söhnchen bindet sie nicht fester an ihren Mann. Sie ist das verspielte Weibchen geblieben und gibt mehr Geld aus als ihr Mann beschaffen kann. Dessen Geschäft steht deshalb vor dem Konkurs, da er einen Wechsel nicht einlösen kann, Als Retterin aus der Not erscheint Annemarie Wenger, die einstige Schulfreundin von Barbara. Sie hat zwar nicht den Mann geheiratet, den ihr ihr Vater bestimmte, kann aber Karl Wagner mit einem grossmütterlichen Erbe bei-springen über das sie frei verfügen kann. Ausserdem übernimmt sie die kaufmän-nische Leitung seines Betriebes. Im drit-ten Akt erfährt man, wie sie diesen in den zwei dazwischenliegenden Jahren empor-gearbeitet hat, wie sie seinem Söhnchen fast zur zweiten Mutter wurde. Alles steht aufs Beste, Karl macht ihr sogar einen Heiratsantrag. Da taucht Barbara wieder auf. Sie ist völlig gewandelt. Der Freundin erklärt sie dann, warum sie so unstet war. Sie hatte Angst, von einer heimtückischen Krankheit befallen zu sein und früh sterben zu müssen wie eine Tante von ihr. Dieses «Vermächtnis» machte sie zu dem haltlosen, nach allem greifenden Geschöpf, was ein gesteiger-tes Leben verhiess. Darum brannte sie ihrem Mann auch mit einem zweifelhaften Schauspieler durch. Sie hat sich aber in-zwischen gemausert,Ein ihrem Söhnchen gleichendes Pflegekind, das starb, gab den Anlass zur Einkehr und Rückkehr. Sie tritt den Platz als Gattin und Mutter aber der treuen Annemarie ab. Die hat sich in-zwischen mit ihrem Vater ausgesöhnt und so scheint alles gut zu enden, denn auch die Schwester Annemaries, Sylvia, die ebenfalls nicht den ihr vom Vater be-stimmten Mann heiratete, sondern einem Schullehrer auf eine abgelegene Mis-sionsfarm nach Afrika folgte, kehrt zu-rück, da ihr Mann eine Stellung in der Schweiz gefunden hat. Annemarie ver-steht es auch hier, den Vater zu ver-söhnen. So siegt die Liebe auf der gan-zen Linie und ihre Wirrnisse kommen überall zu einem guten Ende. Das Stück ist sicherlich erfolgverspre-chend, doch braucht es gute Carsteller, namentlich für die zwiespältige Rolle der Barbara, die der frischen Annemarie Wen-ger. Auch muss die Starrköpfigkeit des Vaters gut dosiert sein und darf nicht zu sehr ins Schwankhafte abgleiten. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird eine Aufführung von «Ds Vermächtnis» Freude bringen und Anklang finden. Die andern Rollen sind leichter zu gestalten.




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