TitelAutor
BunzStebler Jakob

Seitenzahl
64

AkteSzenenBuehnenbildAnz
8 Bilder03

Inhalt
Eine Groteske ist ein Stück, das in seinen Einzelheiten nicht ernst genommen sein will und nicht ernst genommen werden darf. Mit ihrer Quintessenz meint es der Verfasser aber bitter ernst. Sie soll die Zuschauer aufrütteln. Stebler sucht in seiner Groteske «Bunz» die Phrase zu persiflieren, vor allem die politische Phrase. «Bunz» selbst ist schon eine Phrase, nämlich die Aufplusterung des Namens «Bünzli». Und so wie dieser Name aufgeblasen ist, sind es auch die schönen Festreden, die Bunz hält. Zu Beginn des Stückes hört man das Ende einer solchen. Dass Bunz nachher alles ernst nimmt, was er gesagt hat, es sogar in die Tat umsetzen will, bringt ihn in schlimme Konflikte mit seiner Frau, mit seinen Kollegen vom Repräsentationsrat. Man will ihn unzurechnungsfähig erklären lassen. Um das zu erreichen, drängt man ihn zu einer Handlung, die gesetzwidrig ist. Das Gericht erkennt aber nicht auf Unzurechnungsfähigkeit und verurteilt ihn. Das groteske Geschehen lässt Bunz schliesslich zum Mörder an seinen Kollegen werden, bis sich zuletzt herausstellt, dass alle seine Taten nicht wirklich geschahen, sondern nur in seinen Fieberträumen existierten. Bunz kehrt auf den Boden der Realität zurück — und nimmt seine eigenen Festreden nicht mehr ernst. Eine trotz Galle und Bitterkeit recht humorvolle Verspottung von Zuständen, die zwar weder schön noch edel sind, gleichwohl aber da und dort blühen und gedeihen. Man muss sich allerdings fragen, ehe man «Bunz» zur Aufführung in Betracht zieht: Haben wir ein Publikum, das lachend eigene Schwächen erkennen kann und das dem Autor nicht böse wird, weil er es zu dieser Erkenntnis führt? Die Wirkung hängt natürlich auch von der Darstellung ab. Sie muss zwar etwas grotesk wirken, doch nur ein wenig zu viel — und schon macht sich eine Verstimmung breit. Es muss pointiert gespielt werden und immer in flüssigem Tempo.




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