TitelAutor
De GythofbuurRoth Hans

Seitenzahl
92

AkteSzenenBuehnenbildAnzBuehnenbildArt
402Gartenwirtschaft, vor Bauernhaus, Gegenwart.

Inhalt
Dem Bauern haftet dieser Name als Erbstück an. Grossvater und Vater waren geizig, und so ist in den Augen der Dorfbewohner auch der Nachkomme ein Geizkragen. Er zwingt aber die Dorfbewohner, ihr Denken gründlich umzustellen. Es gibt heute viele Vereine, selbst Dorf-vereine, die kategorisch erklären: Wir wollen nicht mehr die ewigen Bauern-stücke spielen. Es gibt aber auch solche, die gerne Stücke aus dem Bauernmilieu spielen, wenn in ihnen die alten Themen — wie z. B. Liebschaft zwischen arm und reich — nicht mehr vorkommen, oder sich in einer neuen Sicht darbieten, oder nur Beiwerk bleiben. Das ist beim «Gythof-buur» der Fall. Trotz des Titels geht es nicht um einen geizigen Bauern, der nur ans Zusammen-raffen denkt. Diesem Bauern haftet der Name sozusagen als Erbstück an. Gross-vater und Vater waren geizig — und so ist in den Augen der Dorfbewohner auch der Nachkomme ein Geizkragen. Freilich ken-nen sie ihn nicht. Er ist in der Fremde aufgewachsen und kommt erst, nachdem der Vater gestorben ist, ins Dorf zurück, um den Hof zu übernehmen. Er gibt den Dorfbewohnern gleich harte Nüsse zu knacken, zwingt sie, ihr Denken tüchtig umzustellen. Er hilft den Hinterhofbauern wieder zu ihrem Gütlein, das ihnen sein Vater abgeluchst hatte. Er befreit einen jungen, heftigen Burschen vom Verdacht der Brandstiftung, der jahrelang auf ihm lastete und tut das, obschon ihn dieser Bursche verdächtigt und ihm wüste An-klagen ins Gesicht schreit. Er weiss aber auch die seit undenklicher Zeit verfein-deten Nachbargemeinden durch ein Wasserrecht zu gemeinsamem Planen und Handeln zu führen. Dieses Recht steht ihm zu. Er demonstriert ihnen vor, was ein Geizhals für Vorteile daraus zie-hen könnte, wenn zwei Interessengruppen sich streiten. — Ganz nebenbei erteilt der Gythofbuur bei diesem Feilschen auch einem Händler, der nur aufs Geldschef-feln versessen ist, eine saftige Lektion. In absolut unaufdringlicher Weise führt dieser «Geizkragen» alle und alles zum Guten. Eine gesunde Bauernschläue und eine undurchdringlich-überlegene Hand-lungsart helfen ihm dabei. Das einzige, was man an diesem gut ge-bauten Stück aussetzen könnte, ist der Umstand, dass es nicht ganz ohne Wie-derholungen auskommt. Selbst in der grossen Rede, die der sonst erfreulich wortkarge Gythofbuur hält, wären Kür-zungen von Vorteil. Der *Gythofbuur» ist ein gutes Volksstück und ein sinnvolles dazu. Es regt mit ei-nem dramatisch überzeugenden Beispiel das Publikum zum Guten an.




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